Jubiläumsausgabe des SoFoR-Infos!

Die 50. Ausgabe
des „SoFoR-Info für das Rheinland“ ist erschienen!

Die erste Ausgabe erschien im April 1998 und hieß spw-Info für das Rheinland.

Damals waren wir Aktivisten/innen auf dem linken Flügel der SPD, der Schwerpunkt unserer politischen Arbeit lag bei den Jusos. Dort organisierten wir uns im Hannoveraner Kreis, einem Zusammenschluss marxistischer Jusos, der sich auf die Theorie des staatsmonopolitischen Kapitalismus bezog. Die Theoriezeitschrift dieser Juso-Strömung war die Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft – spw. Auf diese Zeitung bezog sich der Titel spw-Info für das Rheinland.

Im Editorial der ersten Ausgabe schrieb der Vereinsvorstand im Vorfeld der dann tatsächlich von SPD und Grünen gewonnenen Bundestagswahl:

Die SPD braucht eine marxistische Linke, sie braucht Menschen in ihren Reihen, die auch nach der gewonnenen Bundestagswahl ihren Verstand nicht an der Garderobe abgeben, und sie braucht den Kontakt zu den außerparlamentarischen Bewegungen, zu den Gewerkschaften, zu KünstlerInnen und Intellektuellen. Nur von hier können die notwendigen Anstöße ausgehen, die eine rot-grüne Bundesregierung zuerst an ihre Wahlversprechen erinnert und dann auf eine weitergehende Politik für soziale Gerechtigkeit, mehr Demokratie und einen ökologischen Umbau der Industriegesellschaft verpflichtet.

Hier sehen wir unsere Aufgabe, hierzu wollen wir mit unseren Veranstaltungen und unserer Arbeit bei den JungsozialistInnen und in der SPD ebenso beitragen wie durch unser Engagement z.B. bei der Erfurter Erklärung[1].

 

Die spw erscheint auch heute noch, ist aber mittlerweile eng mit der Demokratischen Linken 21 – der ‚offiziellen’ Parteilinken in der SPD – verbunden und damit innerhalb der SPD politisch deutlich breiter aufgestellt, als zu ihrer Gründungszeit.

Auch unser Verein hat sich geändert: Im Editorial der 21. Ausgabe, die im Jahr 2003 erschien, schrieb der Vereinsvorstand:

Auf der Mitgliederversammlung im April haben wir den Namen unserer Strömung von „Forum spw-Rheinland“ in „Sozialistisches Forum Rheinland“ geändert.

„spw“ stand für „sozialistische Politik und Wirtschaft“ und lehnte sich an die gleichnamige linkssozial-demokratische Zeitschrift an. Da jedoch ein größer werdender Teil der Mitglieder unserer Strömung der SPD den Rücken gekehrt hat, sind wir zu der Meinung gelangt, dass diese enge Bezugnahme auf eine stark auf die SPD orientierte Zeitschrift nicht mehr angemessen ist.

Die Namensänderung ist aber erkennbar moderat ausgefallen. Denn wir stehen auch weiterhin in der Traditionslinie marxistischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, deren Programmatik in den Herforder Thesen einen wichtigen Ausdruck gefunden hatte.

Keineswegs aber kehren wir der SPD gänzlich den Rücken. Nach wie vor sind zahlreiche unserer Mitglieder in den Ortsvereinen und Arbeitsgemeinschaften der SPD aktiv. Es ist aber eben nur noch ein Teil unserer Strömung. Ein anderer Teil sieht für sich persönlich die Mitarbeit bei Attac oder in den Gewerkschaften als sinnvoller an. Auch diese Pluralität unserer Aktionsfelder findet in der Umbenennung unserer Strömung ihren Ausdruck.

 

Im November 2006 traten eine größere Zahl von Mitgliedern unseres Vereins aus der SPD aus und in die WASG ein. Dies führte nicht zu einer Spaltung unseres Vereins. Am Ende eines intensiven und solidarischen Diskussionsprozesses stand die Verständigung auf eine gemeinsam getragene neue Selbstverständniserklärung:

Das Sozialistische Forum Rheinland (SoFoR) ist ein überparteilicher Zusammenhang von LinkssozialistInnen, der politisch-praktisch und programmatisch arbeitet.

Wir stehen in der Traditionslinie marxistisch orientierter Sozialistinnen und Sozialisten in der SPD (des "Hannoveraner Kreises") ... Deren enge Bindung an eine Partei kennzeichnet indes das SoFoR heute nicht mehr. Vielmehr bilden wir heute einen pluralen politischen Zusammenhang von LinkssozialistInnen, die sich in unterschiedlichen Parteien und sozialen Bewegungen engagieren. ...

Von Anfang erkannte unsere politische Strömung die Existenz unterschiedlicher Strömungen und Organisationen der politischen Arbeiterbewegung an. Die Zusammenarbeit über Partei- und Organisationsgrenzen hinweg ist für uns immer selbstverständlich gewesen.

Die Vielfalt an Organisationsansätzen finden wir nun ansatzweise innerhalb unserer Strömung wieder ... Diese Vielfalt ist ein Vorteil. Zum einen können wir auf diese Weise unsere inhaltlichen Positionen in mehrere Parteien, soziale Bewegungen und andere Organisationen einbringen. Zum anderen ergänzen sich die unterschiedlichen Formen des Engagements in sinnvoller Art und Weise. Wir richten unsere Arbeit darauf aus, über Parteigrenzen hinweg gemeinsam Theorie zu entwickeln und politisch-praktisch zu kooperieren.

 

In den vergangenen 14 Jahren haben fast 50 verschiedene Autoren/innen in unserem Info veröffentlicht: Darunter prominente Sozialdemokraten/innen wie Andrea Nahles (heute SPD-Generalsekretärin) oder Marc Jan Eumann (heute Staatssekretär bei der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW); in den letzten Jahren kamen dann prominente Mitglieder der LINKEN wie Matthias W. Birkwald (MdB) oder Paul Schäfer (MdB) hinzu; und natürlich viele Menschen aus sozialen Bewegungen und Wissenschaft wie Prof. Dr. Christoph Butterwegge (Politikwissenschaftler, Uni Köln), Richard Detje (Redakteur der Zeitschrift Sozialismus) oder Daniel Kreutz (Sozialverband Deutschland – SoVD).

Alle Beiträge können auf unserer Internetseite www.sf-rheinland.de nachgelesen werden.

 

Viele Grüße von

Astrid Kraus und Hans Lawitzke (Vorsitzende) und Hans Günter Bell (Geschäftsführer)

 

[1]    Eine im Januar 1997 veröffentlichte Erklärung, in der bekannte Intellektuelle sich an SPD, Grüne und PDS wandten und keinen bloßen Regierungs-, sondern einen Politikwechsel forderten.