Der gute Kapitalismus

Buchvorstellung und Diskussion

Referent: Mit Prof. Dr. Hansjörg Herr

Montag, 17. Oktober 2011

Veranstalter: Forum DL 21 / Sozialistisches Forum Rheinland

Durch Veröffentlichungen sowohl in der Luxemburg 2/2010 (Hrsg.: Rosa-Luxemburg-Stiftung) als auch in der linkssozialdemokratischem Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft – spw 2/2010 sind wir auf das Buch „Der gute Kapitalismus … und was sich dafür nach der Krise ändern müsste“ aufmerksam geworden. Wir denken, ein Buch, dass offenbar sowohl in der linken Sozialdemokratie wie in der LINKEN. auf Interesse trifft, lohnt intensiver diskutiert zu werden.

Der Verlag bewirbt dieses Buch so:

Kann Kapitalismus gut sein? Ja – wenn er an die Leine genommen wird! Die globale Krise hat gezeigt, dass der Kasinokapitalismus vor allem einer kleinen superreichen Elite nutzt. Das hat jedoch nichts mit einem »guten Kapitalismus« zu tun.

Wie kann man dem Kapitalismus seine Dynamik entlocken und gute Arbeit und Wohlstand für alle erreichen? Wie kann man die Risiken von Finanzmärkten auf ein Minimum reduzieren, ohne dabei die einzigartige Dynamik dieser Märkte außer Kraft zu setzen?

Antworten darauf und auf die Frage nach dem richtigen Grad an Regulierung des Marktes durch Staat und Gesellschaft bietet dieses Buch. Es beschreibt den Weg hin zu einem Wirtschaftsmodell, das allen Menschen zugutekommt.

Natürlich gibt es auch andere, kritische Stimmen:

Sabine Nuss: Der Gebrauchsanleitungskapitalismus;
in: Luxemburg, Heft 2/2010, S. 28-33

Die Krise hat den Ruf des Kapitalismus beschädigt, auch im Mainstream häufen sich kritische Fragen. Da kommt das Buch von Dullien, Herr und Kellermann wie ein Seufzer der Erleichterung: Es geht doch, das Wirtschaftsmodell, das allen Menschen zugute kommt – wir müssen den Kapitalismus gar nicht abschaffen. Die Autoren entwerfen das Modell eines »guten Kapitalismus«, der »soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit auf einem hohen Wohlstandsniveau« garantieren soll. Die Sozialdemokratie ist froh, dass die Rezepte zur Eindämmung des wild gewordenen Marktes aus ihren Reihen kommen. Das Buch wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert. In der linken Diskussion wird es eher mit spitzen Fingern zur Kenntnis genommen: Kapitalismus überwinden wollen die Autoren explizit nicht. Aber gut sein soll er. Nur: Gut für wen eigentlich? Die Veränderungsvorschläge lesen sich wie die Gebrauchsanleitung einer Ikea-Küche. Lediglich fehlender politische Wille scheint dem Projekt in die Quere kommen zu können …

Wir wollen uns selbst eine Meinung bilden und haben daher einen der Autoren … eingeladen, uns das Buch vorzustellen und mit uns zu diskutieren.

„Wir“, das sind:

Das Forum Demokratische Linke 21 organisiert die „Linken in der SPD“. Seine Mitgliedern beteiligen sich u.a. an den Diskussionen um die Neuaufstellung der SPD und führen hierzu eigene Veranstaltungen durch. In Nordrhein-Westfalen gibt es auch im Rheinland eine aktive Gruppe. Ansprechpartner: Friedhelm Hilgers (friedhelm.hilgers@googlemail.com).

Das Sozialistische Forum Rheinland (SoFoR) ist ein überparteilicher Zusammenhang von Linkssozialisten/innen, in der Traditionslinie marxistisch orientierter Sozialisten/innen in der SPD. Heute bildet das SoFoR einen pluralen politischen Zusammenhang von Menschen, die sich in unterschiedlichen Parteien und sozialen Bewegungen engagieren.

Mehr Infos zum Buch unter: http://www.transcript-verlag.de/ts1346/ts1346.php

 

Bericht zur Veranstaltung “Guter Kapitalismus”

Am 17.01.2011 konnten wir im Parteihaus der Kölner SPD gemeinsam mit dem Forum DL 21 etwa 40 Menschen begrüßen, die unserer Einladung gefolgt waren und mit Hansjörg Herr über den “guten Kapitalismus” reden wollten.

Als Mitglied der LINKEN. ist man es eher nicht gewohnt, dass der “gute Kapitalismus”, hier verstanden als regulierter Kapitalismus nach dem Vorbild des us-amerikanischen New Deal, als Ziel linker Politik vorgestellt wird. Aber kann man Hansjörg Herr wirklich widerprechen, wenn er meint, zumindest kurz- bis mittelfristig wäre mehr nicht zu erreichen?

Der Auftrag zu dem Buch kam von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Um so bemerkenswerter fand ich die Deutlichkeit, mit der er die Politik der Regierung Schröder kritisiert hat. Er stellt Schröder in eine Reihe mit Thatcher und Reagan und geißelte seine Politik als radikale neoliberal Reformen, die dem (falschen) Tenor verpflichtet waren: Die Märkte regeln alles.

Seine Forderungen nach Regulierung der Finanz- und der Arbeitsmärkte kann man im Grundsatz sicher parteiübergreifend teilen.

Die Diskussion war dann allerdings etwas difus. Eine ganze Reihe der Beiträge mochten zum Vorgetragenen keine klare Position beziehen, sondern zeugten mehr von Unsicherheiten und Unkenntnis. Unterm Strich hatte ich aber doch den Eindruck, dass die kritische Haltung von Hansjörg Herr von den Meisten geteilt wurde.

Mein Fazit: Es war richtig, zu dieser parteiübergreifenden Diskussion einzuladen. Wir sollten in 2012 eine weitere Veranstaltung folgen lassen.

Vielen Dank auch an die Kölner SPD, dass wir in ihrem Parteihaus tagen durften.

Hans Günter Bell

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