Ein rot-rot-grüner Diskussionsabend zu Kirche und Staat

Am 12. Juni hatte das Sozialistische Forum Rheinland (SoFoR) zu einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Kirche und Staat – Ein aufklärerisches Podium in den Farben rot-rot-grün“ ins Bürgerhaus Kalk eingeladen. Der Einladung waren über 30 Menschen aus verschiedenen Parteien und Organisationen gefolgt.

Auf dem Podium saßen Werner Hager vom Arbeitskreis Säkulare Grüne in NRW, Jan Hochbruck von den Laizistischen Sozis (SPD) und Ralf Michalowsky von der LAG Laizismus für DIE LINKE.NRW. Moderiert wurde der Abend von Wally Röhrig (Vorstand SoFoR und Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen). Ziel sollte es sein, ein breites linkes Gesellschaftsprojekt zu initiieren, um die Trennung von Staat und Kirche zu erkämpfen.

In der ersten Diskussionsrunde betonte Hager die Bedeutung der Kommunalpolitik für religionspolitische Fragen und erläuterte, dass die finanzielle Lage der Kommunen ein wichtiger Grund dafür sei, dass in vielen Bereichen nach wie vor eine Abhängigkeit von Institutionen der Kirche bestehe. Michalowsky merkte an, dass immer noch viele Menschen der sog. Caritas-Lüge glaubten, obwohl die Kirche nur etwa 10% ihres Geldes für soziale Zwecke ausgebe. Zudem habe die Kirche einen „Nimbus der Unangreifbarkeit“. Hochbruck bemängelte, dass sich die Kirche meist nicht auf die Seite der Bevölkerung stelle, sondern auf die Seite der Macht. Sie habe sich nach einem Wandel von einer Verkünder- zu einer Dienstleisterkirche in den 80ern und 90ern zuletzt eher wieder zu ersterem entwickelt.

In der zweiten Diskussionsrunde kritisierte Michalowsky, dass Nordrhein-Westfalen jedes Jahr rund 30 Millionen Euro an Bischofsgehältern zahle. Von den anderen Parteien forderte er mehr Ehrlichkeit. Es müsse mehr Druck innerhalb der verschiedenen Parteien geben. Zuvor hatten die beiden anderen Diskutanten bereits bestätigt, dass die Arbeit innerhalb ihrer Mutterorganisationen nicht immer einfach sei.

Problematisiert wurde auch mehrfach das Arbeitsrecht bei kirchlichen Arbeitgebern. Hager beschäftigte sich in einem Redebeitrag mit dem Begriff der Aufklärung und unterschied zwischen verschiedenen Bedeutungen. Zentral sei, dass die Aufklärung keine Dogmen akzeptiere.

Michalowsky ergänzte, wir seien erst am Beginn der Aufklärung. Zudem wies er auf das Problem hin, dass in vielen ländlichen Regionen oft ein starker sozialer Druck bestehe, in die Kirche zu gehen.

Zuletzt wurden vor allem die Perspektiven einer breiten parteiübergreifenden Zusammenarbeit diskutiert. Alle drei sprachen sich für eine solche Kooperation aus. Hager forderte eine breite öffentliche Debatte und regte an, sowohl auf Landesebene (hier besonders im Hinblick auf die Landesverfassungen) als auch auf EU-Ebene zu agieren. Hochbruck bezeichnete Frankreich als „laizistisches Traumland“, wies aber zugleich auf dort sichtbare Risiken hin.

Zuletzt wurde im Plenum debattiert. Hierbei meldeten sich auch Mitglieder der Giordano-Bruno-Stiftung zu Wort. Es wurde angeregt, einmal jährlich ein großes Symposium zu veranstalten, um sich besser zu vernetzen. Zudem wurde auf ein sich in Gründung befindendes säkulares Netzwerk in NRW und das bereits bestehende „Secular Europe“ hingewiesen. Einigkeit herrschte auch darüber, dass die Bewegung breiter werden müsse, z.B. durch die Gewerkschaften und die Frauenbewegung. Dabei gab es durchaus unterschiedliche Einschätzungen, inwieweit die Kritik am Verhältnis Kirche-Staat eine inhaltliche Religionskritik einschließen solle.

Ein Diskussionsteilnehmer kam zum Schluss, dass das Prinzip der Subsidiarität eine der wichtigsten Grundlagen der Macht kirchlicher Institutionen sei. Die Wichtigkeit der Frage des Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen wurde in vielen Wortbeiträgen betont.

Eine andere Einschätzung vertrat ein anwesender Theologe. Er bevorzugte es, liberale Elemente der verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu stärken, um somit fundamentalistische Kräfte zurückzudrängen. Leider konnte diese am Ende sehr lebhafte Diskussion nicht fortgesetzt werden, weil der Abend da bereits sehr fortgeschritten war.

BW (Quelle: Lokalberichte Köln 12/2014)

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