Eine Schule für alle!

von HANS GÜNTER BELL

Die Integration behinderter Kinder in die allgemeinen Schulen zu verwirklichen, diese Forderung erhoben die TeilnehmerInnen des Kongresses „Eine Schule für Alle”, der vom 16. bis 18.11. an der Kölner Universität stattfand.

Sie erinnerten an die von der Vollversammlung der UN im Dezember des vergangenen Jahres beschlossene Konvention über die Rechte behinderter Menschen. Darin werden die Staaten der Welt aufgefordert, ein alle Menschen einbeziehendes Bildungssystem bereit zu stellen. Deutschland hat diese Konvention zwar unterzeichnet, ihre Verwirklichung steht jedoch noch in den Sternen.

In Nordrhein-Westfalen werden immer noch rund 90 Prozent der behinderten Kinder von den anderen Kindern getrennt unterrichtet. Regelmäßig werden Eltern gezwungen, ihre behinderten Kinder gegen ihren Willen in Sonderschulen zu geben. Auch in Köln haben Eltern keine echte Wahlmöglichkeit: So gibt es in Köln über 5.100 Plätze für behinderte Kinder an Sonderschulen, aber nur 454 an normalen Grundschulen, und nur 218 Plätzen an weiterführenden Schulen.

Dabei ist klar: Durch die Trennung im Kindesalter wird die Integration der behinderten Kinder in die Gesellschaft nicht gefördert, sondern behindert.

Verbesserung verspricht ein Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts vom Juli dieses Jahres. Die Eltern eines siebenjährigen Mädchens hatten gegen das Schulamt der Stadt Köln geklagt, das ihre Tochter einer Sonderschule für geistig Behinderte zuweisen wollte. Das Gericht gab den Eltern Recht, die dem Mädchen nach dem Besuch eines integrativen Kindergartens auch den Besuch einer integrativen Schule ermöglichen wollten. Dieses Urteil stärkt die Eltern behinderter Kinder in ihrem Recht, die Förderung ihres Kindes auf einer „normalen“ Schule zu verlangen.

Als Reaktion auf dieses Urteil hat der Rat der Stadt Köln im August mit den Stimmen von SPD, Bündnis 90/Grüne und der LINKEN die Stadtverwaltung beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, welches die Plätze an Kölner Schulen zum „Gemeinsamen Unterricht“ von behinderten und nicht-behinderten Kindern bis zum Jahr 2010 verdoppelt. Das Konzept soll außerdem Möglichkeiten aufzeigen, wie sichergestellt werden kann, dass in Zukunft alle Kinder mit Behinderungen, die am GU in der 4. Klasse der Grundschulen teilnehmen, im GU einer weiterführenden Schule einen Platz finden können.

Für einen gemeinsamen Unterricht an Regelschulen müssen zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden. Stadt und Land sind gefordert, die notwendigen personellen und finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um sicherzustellen, dass Eltern eine echte Schulwahl treffen können. Auf lange Sicht müssten alle Behinderte in der Regelschule unterrichtet werden können.

Mehr Infos unter: www.eine-schule-fuer-alle.info

SoFoR-Info 38 / 2007